maher cissoko

Foto: Costin Alexe

Als der jüngste Sohn einer großen Jali- (Griot-) Familie, war Maher Cissoko dazu geboren, die Kora zu spielen. Sein Vater und seine Brüder spielten alle das Instrument und einige von ihnen hatten großen Erfolg erreicht.

Es kann hart sein, die Mission zu haben, die Traditionen zu erneuern, wenn man der jüngste Sohn in einer Familie ist, in der alle das gleiche tun und jeder einem sagt, wie man es zu tun hat. Man fragt sich, wie man etwas tun kann, das die anderen nicht schon gemacht haben. Aber ich kam zu dem Schluß, daß ich, um Musik zu machen, zuerst mich selbst finden mußte. Es ist daher mein Ziel, frei Musik zu kreieren, die meine Perönlichkeit ausdrückt.

Für Mahers Vater, einen Jali, war nichts wichtiger, als daß sein Sohn die Kora spielen sollte. Maher sträubte sich jedoch zuerst und war nicht sonderlich daran interessiert, das gleiche zu tun, was seine Brüder vor ihm alle schon getan hatten. Stattdessen wollte er Fußball und Perkussion (Djembe, Sabar, Kalebassen und Talking-Drum) spielen.

Die Musik war immer da, gleich unter der Oberfläche. Sie war meine sichere Basis, etwas, das mir immer zur Verfügung stand, etwas, worüber ich nicht nachzudenken brauchte. Sie war immer gegenwärtig.

Als Maher in seinen Teenagerjahren war, warf ihn sein Vater einfach aus dem elterlichen Haus in Ziguinchor, Süd-Senegal, mit der Anweisung: „Finde deinen eigenen Weg!“ Mit 17 Jahren zog Maher nach Gambia und spielte Kora mit seinen Schwestern und dem nationalen Perkussionsorchester.

Als er später nach Deutschland zog, fand er ein neues Verhältnis zur Kora und neue Perspektiven seiner Musik. Er spielte Trommeln und Kora mit seinem Bruder Solo Cissokho und der Familienband Jalikunda Cissokho mit Seckou Keita. Sein Kora-Spiel begann, neue Einflüsse von Flamenco, Jazz, Reggae und lateinamerikanischen Stilen zu integrieren.

Als ich nach Europa kam, änderte sich meine Musik und sie wurde klarer und genauer definiert. Das war es, warum ich von zuhause wegging - um meinen eigenen Weg zu finden. Aber als Jali verschwindet man nie ganz, man kehrt immer zurück.

Für Maher bedeutete das, ein neues Verständnis zu entwickeln, wie die Kora in den unterschiedlichen Situationen klang, und er begann, seine eigene rhythmische und tanzbare Koramusik zu entwickeln.

Ich bin Musiker und wenn ich von einem Land in ein anderes reise, suche ich nach seinen Rhythmen und danach, was die Menschen bewegt. Das gibt mir etwas Neues, das ich mir zu Herzen nehme. Alle Möglichkeiten sind in meinem Instrument enthalten, die Kora ist vollständig. Wenn ich ein neues Lied kreiere, verwende ich alle diese Einflüsse, aber ich tue es auf meine eigene Art. Es wird meine eigene Musik und mein Rhythmus. Wir spielen reale Musik - Musik, die unserer Realität entspringt.

Seine Begegnung mit Sousou und sein Studium an der Königlichen Musikhochschule in Stockholm inspirierte ihn, weiterhin einen markanteren Musikstil zu entwickeln.

Mein Vater und meine Schwestern konzentrierten sich darauf, mich auf die Wurzeln hin zu orientieren. Die Aufgabe der Jalis besteht hauptsächlich darin, den Menschen Freude und Frieden zu bringen. Und das ist es, was wir heute erreichen möchten.

Maher Cissoko, der einst sein Elternhaus verließ, weil er nicht Kora spielen wollte, hat seinen Weg zurück zu dem Instrument gefunden und scheint heute zu den innovativsten Koraspielern der Welt zu zählen.